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Förderung der Lesefähigkeit…

Förderung der Lesefähigkeit und die Dekodierungsleistungen beim Lesen

Der folgende Beitrag fasst die verschiedenen Aspekte des Workshop „Förderung der Lesefähigkeiten in der Grundschule“ der Fachtagung des Fachverbandes für integrative Lerntherapie in Bonn, Nov. 2006, zusammen. Die Printausgabe wurde im „Sprachrohr Lerntherapie“ 1/2007 veröffentlicht.

1. Die lauttreue Wortwahl

Wie für das Schreibenlernen am Anfang, so ist auch für das Lesenlernen das Prinzip der Lauttreue sinnvoll. Da es für die 26 Buchstaben 42 Laute und noch mehr dialektale Aussprachen gibt und auch die Regeln sich als Aussprachevarianten der betonten Vokale im Wort erweisen, sollte man zum Beginn des Lesenlernens die Vielfältigkeit der Lautvarianten reduzieren. Durch lauttreue Leselehrgänge, wie z. B. die „Lauttreuen Leseübungen“ (1), die in einer überarbeiteten Neuauflage vorgestellt wurden, können zunächst Wörter gewählt werden, deren Lautfolge einfach und deren betonte Vokale nur lang gesprochen werden. Dadurch korrespondieren solche einfach gegliederten Wörter mit der anfänglich zu lernenden Kompetenz der Phonem-Graphem-Zuordnung, bei der Kinder meist die einzelnen Laute betont und lang aussprechen.

 

In einem zweiten Schritt lernen Kinder den Unterschied von betonten und unbetonten Silben eines Wortes und erst in einem dritten Schritt wird der Betonungsunterschied von langen und kurzen Vokalen vermittelt. Erst die letzte Form der melodischen Aussprache korrespondiert dann mit den Regeln der Dopplung der Konsonanten und der Dehnung mit h oder ie. In dem Lesebuch „Till Eulenspiegel und seine frechen Streiche“ (2) werden alle Wörter mit der Silbenform verbunden.

2. Die zentrale Stellung der Silbe beim Lesenlernen

Die Silbe ist für das Lesenlernen das wichtigste Segment in Wörtern, da es unmittelbar mit unserem rhythmischen Sprechen zusammenfällt. Wir gliedern spontan auch Pseudolautfolgen in eine silbenmäßige Aussprache.

 

Und auch die visuelle Dekodierung von Wörtern ist kein Fotografieren von ganzen Wortbildern, sondern eine Kombination der Erfassung von Segmenten in Wörtern und einer diesen zugeordneten Deutungsstrategie.

 

Da die Silbe so eine zentrale Rolle spielt, ist das Lesen von Einzelbuchstaben auf ein Minimum zu reduzieren. Im lauttreuen Leselehrgang werden daher nur die Vokale und Umlaute zu Beginn mit phonologischen Übungen eingeführt, um die Konsonanten dann zusammen mit den Vokalen in Silbeneinheiten zu kombinieren. Die Wahl der Silbe als Basis für Leseübungen ist auch bei der Einführung der Explosivlaute sinnvoll, da sie isoliert gesprochen immer mit einer Vokallautung verbunden sind, das gilt auch dann, wenn man beim Lautieren von Buchstaben nur das unbetonte e spricht.

 

Außerdem ist durch die Buchstabenabfolge der Stammsilben – meist die erste Silbe eines Wortes – auch die Betonung vorgegeben: In der offenen Silbe (Fa) wird der Vokal lang gesprochen, in der geschlossenen Silbe (Fal-ke) wird er kurz gesprochen.

Der lauttreue Leselehrgang arbeitet am Anfang daher nur mit Wörtern, die im Wortstamm eine offene Silbe haben. Erst im zweiten Teil folgen Wörter mit geschlossenen Silben im Wortstamm und daher mit der kurzen Betonung der Vokale.

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