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Förderung der Lesefähigkeit…

 

6. Neues Testverfahren zur Prüfung der Dekodierungsleistung

Außerdem bieten die „Lauttreuen Leseübungen/lauttreuer Leselehrgang“ auch ein Hilfsmittel, um die Dekodierungsfähigkeit in der 1. und 2. Klasse zu testen. Der von Findeisen/Melenk/Hanke entwickelte Test wurde im Institut für Legasthenie- und Lerntherapie, Bonn, eingesetzt und er erleichtert die Feststellung von Dekodierungsproblemen bei Legasthenikern. Das Verfahren soll hier in einer verkürzten Form dargestellt werden.

a. Der Test prüft die Differenzierung der Buchstabenformen, ihre Raumlage und Abfolge in Silben in einem vergleichenden Verfahren. Man kann feststellen, ob Kinder die visuelle Analyse beherrschen.

b. Er prüft die Zuordnung von Silben zu einem sinnvollen Wort. Man kann feststellen, ob Kinder schon Silben lesen können und – vermittelt über das Kurzzeitgedächtnis – eine erste Silbe der richtigen Silbe aus zwei weiteren Silben zuordnen können.

c. Er prüft weiterhin, ob Kinder in einfachen lauttreuen Wörtern einen überflüssigen falschen Buchstaben erkennen.

Die Kurzform hat drei Teile. Für jeden Teil werden zwei Minuten vorgegeben, so dass die drei Aufgaben in sechs Minuten bearbeitet werden sollen. Alle Kinder einer Gruppe/Klasse sollten diesen Test durchführen, um einen Mittelwert zu errechnen und davon abweichende Leistungen erkennen zu können. Der Test in seiner Kurzform hat keine Prozentränge, da er der qualitativen Analyse und Information dient.

Der Mittelwert der insgesamt bearbeiteten Aufgaben ergibt sich aus der Summe der falsch gelösten Aufgaben aller Schüler dividiert durch die Anzahl der Schüler. Dies gibt das Leistungsniveau innerhalb der vorgegebenen Zeit an.

Zählung der Lesefehler: Es werden alle Fehler = Rohwerte der Gruppe/Klasse gezählt, dann die Summe der Rohwerte durch die Anzahl der Schüler dividiert, womit man den Mittelwert erhält. Die leichten und starken Abweichungen lassen sich so leicht feststellen. Bei freier Lesezeit können die Kinder oben auf den Bogen die Anfangszeit und dann die Endzeit aufschreiben. So erhalten sie durch die Addition aller Zeiten und die Division durch die Anzahl der Kinder die Durchschnittszeit und damit auch die kleinen und großen Abweichungen.

Der Test zur Dekodierung kann eine genaue Diagnose der visuellen Wahrnehmung oder der phonologischen Bewusstheit nicht ersetzen. Er gibt Pädagogen und Therapeuten aber erste Informationen über einige Momente der Dekodierungsleistung.

Interpretation der drei Testaufgaben:

  1. Falsche Kennzeichnungen beim Buchstabenvergleich verweisen auf eine eindeutige visuelle Problematik. Unterschiede in der guten Lösung dieser Aufgabe und vieler Fehler bei Schreibaufgaben im Schulunterricht verweisen dann nicht auf ein visuelles Problem, sondern auf eine Zuordnungsproblematik von Zeichen und Laut. In dem Fall sind auditive und visuelle Wahrnehmungsübungen zu kombinieren.
  2. Falsche Zuordnung von Silben: Die Silbe wird nicht richtig erlesen oder das Kurzzeitgedächtnis versagt. Phonologische Übungen zu einzelnen Buchstaben und einfachen Silben sind sinnvoll. Durch die Auswahl der Buchstaben für die Silben ist der Wiederholungseffekt groß, so dass diese Kinder mit den ersten 44 Seiten des lauttreuen Lehrgangs genug Material haben.
  3. Werden die falschen Buchstaben in Wörtern nicht gefunden – und die Aufgabe 2 war richtig gelöst –, dann hat das Kind schon die Deutungsstrategie übergeneralisiert, durch die es das ganze Wort überblicksmäßig erfasst und ihm eine visuelle Feindurchgliederung nicht mehr gelingt. Dieses Kind hat dann Schwierigkeiten die eigenen Rechtschreibfehler zu finden. Die Silbengliederung ist für diese Kinder wichtig, um die Buchstabenfolge aufzugliedern und so, verbunden mit dem lauten Sprechen, auf die Silbenenden und den Anfang der Folgesilbe zu achten. Die Sinnerwartung wird durch die Dekodierung geleitet.

Literatur

(1) Findeisen, Melenk, Schillo, Lauttreue Leseübungen – Leselehrgang von der Silbe bis zum Text, vollständig überarbeitete Neuauflage, Bochum, 2007, Winkler Verlag

(2) Flita Findeisen, Till Eulenspiegel und seine frechen Streiche, Bochum 2005

(3) Findeisen, U./ Melenk, G., Gestaltungsformen von Lesematerial, in: Sprachrohr Lerntherapie, Nr. 1/2000, S. 16 – 24

(4) Findeisen, U., Melenk, G., Hanke, A., Test zur Dekodierungsleistung (TEDEL), Bonn 2006

Sie können eine Kurzform des Tests der Dekodierungsleistung (TEDEL) per E-Mail bestellen. Das Urheberrecht liegt bei den Autoren. Der Test kann von Lehrerinnen und Lehrern für Zwecke der Diagnose der Dekodierungsleistung kopiert werden. Eine gewerbliche Nutzung ist untersagt.

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