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Lesematerialien

Die Silbenform

Man weiß, dass es verschiedene Gliederungen von Wörtern gibt: Morpheme, Signalgruppen, Silben usw. Die Silbe ist für das Lesenlernen die wichtigste, da sie der Sprechbewegung entspricht. „Dass die Morphologie jedenfalls bei den Alphabetschriften nicht diese Rolle übernimmt, dürfte wohl mit dem abstrakten Status morphologischer Einheiten zusammenhängen. In flektierenden Sprachen haben die morphologischen Einheiten keine konkrete Entsprechung auf der Lautebene. Eine direkte Zuordnung phonologischer Segmentfolgen zu morphologischen Einheiten ist nur partiell möglich.“ (Butt/Eisenberg 1990, S. 57; vgl. Gutezeit 1986, S. 201) Sprechsilben dagegen sind konkrete Einheiten. Silbenzahl und Lage der Silbengrenzen sind für den Sprachbenutzer transparent, weil sie unmittelbar wahrnehmbar sind. Die Schreibsilbe hat deshalb eine so zentrale und stabile Stellung in unserem Schriftsystem, weil jeder Schreibsilbe eine Sprechsilbe zugeordnet werden kann (vgl. Butt/Eisenberg 1990, S. 58) Die syllabische Struktur ist für den lautlichen Aufbau am wichtigsten.

Die Betonung

Im Stufenmodell des Lesenlernens weist Scheerer-Neumann (1990) auf die Schwierigkeit hin, dass bei der alphabetischen Strategie der funktionale Ort der Sinnentnahme offen bleibe. „Gerade die Interaktion zwischen Erlesen und Bedeutungsentschlüsselung ist jedoch auf der alphabetischen Stufe kritisch.“ (Scheerer-Neumann 1990, S. 110) Lösbar ist diese kritische Stelle durch die Sprechdynamik. Man kann davon ausgehen, dass die Verknüpfung gerade in der Umsetzung der Buchstabenfolgen zu einer syllabischen Einheit und der richtigen Betonung zu einer normalen Sprachgestalt liegt. Lesen von Wörtern ist sinnerfassend, wenn es statt der Vorform sofort die betonte Sprachform erfassen kann. Mit dem Erkennen der richtigen Betonung stellt sich unmittelbar die Bedeutung ein. Als optische Hilfe kann man die Länge und Kürze der Vokale kennzeichnen. Silbengliederung und Kennzeichnung der Betonung ist also die optische Form der Erleichterung des sinnerfassenden, weil an die Lautgestalt gebundenen Wortlesens (vgl. Findeisen/Melenk/Schillo 1995, S. 148).

Gestaltungsformen für die Silbenstruktur und die Betonung im Wort

Auf der Stufe des Wortlesens sollen die Wörter zweisilbig sein und einen langen Vokal haben. Es sind Wörter mit einfacher Silbenbauart (vgl. Balhorn 1989, S. 5). Der Trennungsstrich kann als graphische Hilfe gesetzt werden, wenn der Zwischenraum zwischen den Wörtern groß gehalten ist, damit er als innere Wortgliederung erfasst wird. Auf einer späteren Lesestufe sind Silbenbögen als Lesehilfen möglich (vgl. Brügelmann 1989, S. 149).

 

Die Vokale werden entsprechend ihrer lautlichen Qualität verschieden gekennzeichnet. „Auf den unterschiedlichen Lautwert von Schriftzeichen werden die Schüler frühzeitig dadurch aufmerksam gemacht, dass die kurzen Vokale heller gedruckt werden als die lange Variante.“ (Brügelmann 1989, S. 107) Man kann auch einen Punkt unter den kurzen und einen Strich unter den langen Vokal setzen (vgl. Kossow 1991, S. 91).

 

Zur Unterscheidung zwischen der betonten und unbetonten Silbe wird der Fettdruck benutzt (vgl. Gutezeit 1986, S. 201). Zur Bewusstmachung der Wortmelodie von betonter und unbetonter Silbe kann jeweils in der Zeile über dem Wort in Anlehnung an die Form von Musiknoten die Tonhöhe mit einem Notenzeichen gekennzeichnet werden (vgl. Blumenstock 1983, S. 61).

 

Die Silbenenden der offenen und der geschlossenen Silben bei lauttreuen Wörtern sind durch Fettdruck zu kennzeichnen, da sie auch einen Bezug auf die Betonung haben. Die offene Silbe endet auf einem Vokal, der lang ist, die geschlossene Silbe endet auf einem Konsonant und enthält in zweisilbigen Wörtern einen kurzen Vokal (von einsilbigen Wörtern und Ausnahmen ist hier abzusehen). Hierbei kann man auf die Idee von Alliger zurückgreifen, die Lautschrift als Farbschrift zu kennzeichnen (vgl. Alliger, S. 240f). Den Vokalen und Konsonanten wird eine Hauptfarbe zugeordnet, so dass man durch die Abfolge der Farben eine lautliche Struktur erkennen kann (vgl. Gutezeit 1994, S. 17).

 

Wortlisten mit wiederkehrenden Silben (Leder, Feder, Puder, Luder usw.) sind sinnvoll, um die Rhythmik von betonter und unbetonter Silbe zu lernen.

 

Im folgenden Beispiel wird durch die gleiche Endsilbe die Konzentration auf die betonte Silbe am Wortanfang gelenkt, daneben auf die Vielfältigkeit der Endsilben. In beiden Fällen ist die Unterscheidung von betonter und unbetonter Silbe das Lernziel.

 

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