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Lesematerialien

Die Leseerwartung auf der Wortebene

Auf den aktiven Spracherfahrungswortschatz der Kinder wird dann beim Lesenlernen zurückgegriffen, wenn man die Leseerwartung verbessern will. Die Sinnerwartung jedoch ersetzt nicht die Lautanalyse, sie hilft nur, diese zu verschnellern. „Die Sinnerfahrung und die Spracherfahrung des Lesers ersetzt nicht die visuelle Analyse (…). Aber bereits die visuelle Analyse der Schrift wird durch sinnbezogene Deutungsversuche des Lesers beeinflusst. So dauert die Fixation derselben Schriftzeichen je nach Vertrautheit des Wortes, in dem sie stehen, unterschiedlich lang.“ (Brügelmann 1989, S. 106) Ein Vorwissen, aus dem sich die Leseerwartung ergibt, ist selbst nicht als Lesefertigkeit zu bezeichnen, denn diese bezieht sich immer auf etwas Neues, was in der Leseerwartung wenn überhaupt nur als Möglichkeit enthalten ist und immer erst durch das wirkliche Lesen kontrolliert wird. Die Erwartung ist dadurch gegeben, dass der „Austausch“ zwischen Leser und Lesetext seinen Beweggrund in einem unterschiedlichen Wissen hat. Der Satz enthält das Wissen, das der Leser noch nicht hat. So lässt z. B. des Lesen des Subjekts „Der Nil“ viele Möglichkeiten offen. Eine der Möglichkeiten wird Wirklichkeit, sobald das Prädikat „steigt“ gelesen wird. Die Erwartung ist gelöst. Bei einem längeren Satz wird das Prinzip noch deutlicher. Erst am Ende kann über den Sinn des Satzes entschieden werden (vgl. Deutsche Sprache 1980, S. 164). Die Leseerwartung steht also in einem sekundären Verhältnis zum Lesen und Lesenlernen. Zur Verbesserung der Leseerwartung gibt es viele Vorschläge (vgl. Wespel 1998, S. 6ff).

 

Auf der Stufe des Wortlesens kann man über die gelesenen Wörter reden, Sätze mündlich bilden und Lesetexte für die Stufe des Satzlesens erstellen, in denen auf diese Gespräche Bezug genommen wird.

Anbahnungen von Satzlesen bei noch bestehendem Wort-für-Wort-Lesen

Bevor man lange Sätze lesen lässt, ist der Übergang vom Wort- zum Satzlesen anzubahnen.

Noch auf der Stufe des Wort-für-Wort-Lesens wird durch diese Form über die Einzelwortbedeutung hinausgegangen und ein größerer Sinnzusammenhang dargestellt. Innerhalb der Wörter können weiterhin alle graphischen Gestaltungsformen benutzt werden. Die Wörter sind nach Wortgrenzen gut zu erfassen, und durch die Zeile wird die Blickrichtung aufgebaut. Das Auge lernt, von einem Wort zum anderen zu springen und sich die Bewegungsrichtung anzueignen. Die Ein-Wort-Zeile, Satztreppe und die Überschau-Zeile sind graphisch noch am einzelnen Wort orientiert:

Da Da Da________ist

ist ist der_______kleine

der der Tom.

kleine kleine

Tom. Tom.

(vgl. Findeisen/Melenk/Schillo 1995, S. 154)

 

Sinnschrittgliederung nach Satzarten

Wenn in Leseübungen die Sinnschritte eingeführt werden, dann ist es sinnvoll, verschiedene Aussageformen zusammenzufassen, um dadurch ein Bewusstsein über diese formalen Kriterien der Sinngliederung zu schaffen.

 

Die Differenzierungen sollten sich an folgenden Satzformen orientieren:

Satzform Gelenkwörter Satzbeispiel

Einfache Zustandssätze ist, sind Da ist…

Einfache Haben-Sätze hat, haben… hat ein Auto.

Einfache Tätigkeitssätze malt, ruft Nina malt ein …

Sätze mit Präpositionen schauen auf Ich schaue auf …

 

Danach folgen erweiterte Sätze mit Objekt, Attribut und Adverb (vgl. Bethlehem 1984, S. 98; Deutsche Sprache 1980, S. 158ff).

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