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Lesematerialien

Sinnschrittgliederungen durch Zeilenwechsel

Die Zeilenordnung von Texten sollte nicht in Blocksatz, sondern in Flattersatz gedruckt werden. Dabei ist die Auswahl der Sinnschritte vom Lesestand abhängig. Ein Leseanfänger wird kleinere Sinnschritte bevorzugen, was bei besser lesenden Kindern nicht mehr so wichtig ist.

Sinnschrittgliederung durch Satzzeichen

Jeder Satz hat einen Gegenstand und eine Aussage, die den Gegenstand näher bestimmt. Der Hauptakzent liegt grundsätzlich im Komplex dieses näher Bestimmenden. Z. B.: Er `liest. Die Satzintonation drückt verschiedene Satzkategorien aus: einfache Aussage, Frage, weiterweisender Ausspruch. Die Intonation zeigt auch Gefühlsunterschiede: Freude, Angst, Ungläubigkeit, Erschrecken usw. Die Intonation hat eine außerordentliche Bedeutung für das feinere Verständnis einer Sprache. Das Grundmuster ist die abfallende Intonation zum Satzende. Sie gilt für Aussagesätze, Befehlssätze, Wortfragen. Ansteigen der Tonhöhe gilt bei Entscheidungsfragen und Nachfragen (vgl. Wängler 1983, S. 205ff). Satzzeichen (Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Klammern, Gedankenstriche, Anführungszeichen) gehören zu den Mitteln, die zur Bildung von Wortgruppen und Sätzen dienen, sie sind also syntaktische Mittel (vgl. Deutsche Sprache 1980, S.177). Sie sichern die Einheitlichkeit und die Gliederung des Satzes und seiner Bestandteile. Die Schlusszeichen markieren das Satzende und haben zusätzlich die Funktion, die Satzintention zu markieren. Es sind also Formmittel mit semantischer Aufgabe. Ein Punkt zeigt den Abfall zum Spannungsnull an. Das Fragezeichen als Schlusszeichen führt ebenfalls eine bestimmte Satzintention. Es gibt zwei Zeichen, um die innere Gliederung einer Satzgemeinschaft durch Pausen zu markieren: Komma und Semikolon. Das Semikolon bedeutet eine entscheidende Stauung, das Komma kann überspielt werden. Auch der Gedankenstrich enthält einen semantischen Effekt die Vorbereitung auf etwas Unerwartetes oder zur Erhöhung der Spannung (Plötzlich ein gellender Schrei!) (vgl. Behrens 1989, S. 14ff). Die Satzzeichen drücken eine Sinnschrittgliederungen aus. Gerade wegen ihrer Sinnschrittgliederungs-Funktion ist es für das Lesenlernen erschwerend, dass mit der Rechtschreibreform das Komma vor „und“ und erweitertem Infinitiv nicht mehr Standard ist.

Gesamttextgliederung nach Schlüsselpassagen

Für das sinnerfassende Lesen von Texten ist nicht nur die Sinnschrittgliederung im Satz wichtig, sondern die Gliederung nach Schlüsselpassagen zum Verständnis des gesamten Textes (vgl. Grissemann 1984, S. 325ff). Schlüsselwortpassagen sind Wörter oder Wortgruppen, in welchen sich eine Erzählung, eine Geschichte, ein Nachrichtentext dynamisch ballt. Es steht über dem satzorientierten sinnschrittweisen Erfassen und zielt auf die Erfassung des Gesamttextes in seiner sachlichen Aussage. Die Schlüsselwortpassagen sind nicht die Summe aller Sinnschritte im Text, sondern inhaltliche Stichwörter. In der Regel lassen sie sich durch Unterstreichung, farbige Untermalung oder Kursivdruck hervorheben. Sie geben praktisch den Inhalts-Baum der Geschichte ab.

Textumgebende Hilfen zur Eingrenzung der Leseerwartung

Das Aktivieren des Vorwissens als Leseerwartung durch hinweisende, zusammenfassende und das Thema angebende und damit eingrenzende Zusätze hilft bei der Konzentration auf das Lesen des Textes. Diese sollte man vorher besprechen und sich so die Grundlage schaffen, dass alle Kinder mit einem ähnlichen Vorwissen an den Text herangehen. Dabei helfen folgende Formen:

Überschriften des Textes besprechen

  • Marginalien an der Seite des Textes, die auf das Thema des jeweiligen Abschnitts verweisen, vorher lesen
  • vorangestellte Zusammenfassungen erstellen, um der Leseerwartung einen Rahmen zu geben
  • vorangestellte Leitfragen helfen, das Ziel des Lesens besser vorzubereiten

(vgl. Schneider/Walter 1991, S. 42ff)

 

Sinnverstehende Fragen am Ende eines Textes dienen nicht dem Aufbau einer Leseerwartung, sondern sind der Gesamttextgliederung nach Schlüsselpassagen zuzuordnen.

Da der Prozess des Lesenlernens bei Kindern nicht gleichmäßig und gleichzeitig abläuft, ist die Gleichsetzung von Lesestufen und Klassenstufen problematisch (vgl. Dehn 1990, S. 97ff). Entsprechend dem individuellen Lesestand der Kinder sollte in der Klasse für jede Lernstufe Lesematerial vorhanden sein und im differenzierten Unterricht auch eingesetzt werden können. Lerntherapeuten wissen, dass auch gutes Übungsmaterial im Rahmen von ständigem Leistungsvergleich eingesetzt den Leistungsdruck der Schule nicht abschaffen wird. Deshalb findet die Hilfe für den individuellen Leselernprozess in einer Lerntherapie nicht unter solchen leistungsvergleichenden Lernbedingungen statt.

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