Wann wird eine Lese-Rechtschreibschwäche festgestellt?

Vor allem in den unteren Klassen kommt den Eltern eine wichtige Rolle bei der Früherkennung einer Legasthenie zu, da in diesen Klassen die Kinder ihre Schwierigkeiten vielleicht noch hinter zu Hause geübten und auswendig gelernten Diktaten vor dem Lehrer verstecken können. Denn wenn bereits die ersten Schwierigkeiten beim Erlernen des Schreibens ernst genommen und mit dem Lehrer besprochen werden, können besondere Rücksichtnahmen in der Schule sowie häusliche Unterstützung dafür sorgen, dass das Kind den Wissensstand seiner Altersklasse doch erreicht.

Oft wird eine Legasthenie jedoch erst im 3. oder 4. Schuljahr erkannt, dann nämlich, wenn anstelle der geübten, also auswendig gelernten Diktate, die ersten Fremddiktate geschrieben werden. Dann „entlarvt“ sich mancher Schüler, der bisher aufgrund enormer Gedächtnisleistungen nicht aufgefallen war, als Legastheniker, der plötzlich anfängt, „die unmöglichsten Fehler“ zu machen. Abgesehen von Unsicherheiten in der Groß- und Kleinschreibung, Dehnung und Mitlautverdopplung beherrscht er oft auch nicht die Umsetzung der Laute in Buchstaben, verwechselt ähnlich klingende Laute und lässt Buchstaben aus. Umgekehrt kann er ungeübte Texte nur stockend und langsam lesen.

In vielen Fällen bemerken die Eltern dies zuallererst an auffälligen Notendiskrepanzen: in Rechnen, Sachkunde usw. gute Noten, in Diktaten mangelhafte oder ungenügende Leistungen.

Meistens sind jedoch zu diesem Zeitpunkt die Leistungen in anderen Fächern aufgrund der Lese-Schreibschwierigkeiten bereits abgefallen - beim Rechnen tauchen z.B. schon bei den ersten kleinen Aufgaben, die mit einem Text verbunden sind, Leistungsbeeinträchtigungen auf. Weil in den übrigen Schulfächern die Methode des Auswendiglernens nicht möglich ist, kann der betroffene Schüler von Anfang an nicht die Leistungen erbringen, zu denen er eigentlich fähig wäre. In beiden Fällen sollten die Eltern, sobald sie die ersten ungewohnten Rechtschreibfehler bei ihrem Sohn oder ihrer Tochter beobachten, in Absprache mit dem Lehrer das Kind daraufhin testen lassen, ob eine Legasthenie vorliegt.

Falls ein Test oder eine Förderung im schulischen Rahmen nicht möglich oder nicht vorgesehen ist, können sich die Eltern jederzeit an unser Institut wenden, um ihr Kind testen zu lassen. Auf Grundlage des diagnostischen Befundes beraten wir sie, worin die spezifischen Schwierigkeiten ihres Kindes liegen und wie ihm am besten geholfen werden kann.

Wann sollte eine Testung durchgeführt werden?

Müssen mehrere Punkte der folgenden Aufstellung bejaht werden, so sollte eine Untersuchung auf Legasthenie durchgeführt werden. In jedem Fall sollte vorher die Hör- und Sehfähigkeit überprüft werden.

Lesen

  • Leseunfähigkeit am Ende der 1. und in der 2. Klasse
  • Verlangsamtes Lesen in den weiteren Klassen
  • Eingeschränkte Lautverschmelzung
  • Fehlerhaftes Lesen
  • Verständnisloses Lesen
  • Leseunlust

Rechtschreibung

  • Fehlerhaftes Abschreiben
  • Fehlerhäufung in Diktaten und Aufsätzen
  • Verwechslung von formähnlichen Buchstaben ( b - d, p - q, ie - ei usw.)
  • Verwechslung der Buchstabenreihenfolge
  • Auslassen und Vertauschen von Buchstaben, Silben und ganzen Wörtern
  • Versagen bei der Wiedergabe komplizierter Wortaufbauten, obwohl die einzelnen Buchstaben korrekt gelesen und geschrieben werden
  • Verwechslung von klangähnlichen Buchstaben und Buchstabenfolgen (b - p, d - t, g - k, f - pf, ch - sch usw.)
  • Überdurchschnittliche Fehlerhäufung bei der Dehnung und Dopplung
  • Schreibunlust

Freie (mündliche und schriftliche) sprachliche Äußerung

  • Unklare Artikulation
  • Stockendes Sprechen
  • Unzureichender Wortschatz
  • Begriffsfindungsnot
  • Syntaktische Armut
  • Grammatikalisch vereinfachtes oder unkorrektes Sprechen oder Schreiben
  • Diskrepanz zwischen dem stilistischen Niveau mündlicher und schriftlicher Äußerung

Mündliche und schriftliche Merkfähigkeit

  • Erschwertes Auswendiglernen
  • Ungenügende Merkfähigkeit für neue Klanggestalten (auch bei Fremdwörtern und -sprachen)
  • Ungenügende Merkfähigkeit für neue Wortbilder

Motorik

  • Verkrampfte Bewegungen
  • Ungleichmäßiges bis verzerrtes Schriftbild
  • Verlangsamte Schreibgeschwindigkeit

Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensauffälligkeiten

  • Schulangst
  • Clownerie
  • Ängstlichkeit, Kontaktscheuheit
  • Konzentrationsschwäche
  • Aggressivität
  • Hyperaktivität